Charly von Feyerabend: Mueritz, Mord und Mueckenstiche

Taschenbuch, 11,90 €
Kindle, 9,49 €

Ein schreiend komisches Krimidebüt über eine schwangere Journalistin, die nichts so sehr hasst wie 'Urlaub' im Zelt.

Frieda, ehemals engagierte Journalistin, die in einer Redaktion von langweiligen Frauenzeitschriften gelandet ist, wird von ihrem Mann mit einem Camping-Wochenende überrascht. Dumm nur, dass sie Campen hasst. Die Lage wird nicht besser, als direkt vor ihrem Zelt ein Toter in einer Hängematte baumelt Friedas Spürnase kitzelt, und sie stürzt sich in einen Schlamassel aus Lokalpolitik, Fremdgeherei, Ranger-Nationalpark-Gezoffe und einer historischen Seidenraupenzucht – solange es ihre Übelkeit zulässt, ist sie doch zum Schrecken ihres Mannes zum dritten Mal schwanger.

Rezepte
Theaterstück "Der domistizierte Steinpilz"
Shirts zum Buch

Lekereien aus dem Buch gibt es bald auch hier.. zumindest einen ersten Geshmack 🙂

 

Eh voilà:

 

Lagerfeuer-Gerichte

 

Stockbrot, der Klassiker

 

Zutaten für ca. 12 Stockbrote (je nach Länge und Dünne der Teigstränge)

1 kg Mehl

2 Würfel Frischhefe oder 2 Tüten Trockenhefe

500 ml lauwarmes Wasser

4 EL Öl

4 TL Salz

je nach Geschmack: Knoblauch, Oregano, Bärlauch, Paprika, Pfeffer, Zwiebel oder Käse mit in den Teig kneten.

 

Falls frische Hefe verwendet wird, diese in lauwarmem Wasser auflösen, dann alle Zutaten vermischen und mindestens 1 Stunde gehen lassen. Sollte der Teig noch kleben, etwas Mehl dazugeben. Portionsweise um je einen Stock herumwickeln (am besten dünne Stränge) und so lange über das Lagerfeuer halten, bis es rundherum knackig braun ist.

 

Variante Hotdog: ein leckeres Bio-Würstchen oder Soja-Würstchen aufspießen und den Teig drumherumwickeln. Hierbei auch gerne Senf oder Gurkenscheiben mit einwickeln.

 

Variante Quark-Öl-Teig für ca 10 Stockbrote (sofort einsatzbereit – ohne Gehzeit):

Zutaten hierfür: 300g Quark, 12 EL Öl, 6 EL Milch, 600g Mehl, 2 Eier, 1 Packung Backpulver, eine Prise Salz.

Zubereitung: Alles miteinander vermischen, dabei sollte der Teig eine feste Konsistenz haben, sonst noch Mehl unterrühren. In dünnen Strängen um einen Stock wickeln und guten Appetit.

 

 

Popcorn, ist zwar nicht das klassischste unter den Lagerfeuer-Gerichten, aber lecker.

 

Zutaten:

Popcornmais

Alufolie

 

Zubereitung:

Aus der Alufolie eine Art Tüte formen, in die man das Popcorn füllt. Dabei sollte genügend Platz sein, damit das Popcorn auch aufploppen kann. Einfach in die Glut setzten und warten bis das Ploppen verklungen ist. Auch eine Art, Lagerfeuergesänge rhythmisch zu untermalen.

 

In meinem Krimi ließt Frieda das Theaterstück von Manuela - und dieses gibt es auch in der Realität..

Für Euch exklusiv der Erste Akt - Interessenten wenden sich gerne vertrauensvoll an mich.. *hüstel*

 

Theaterstück

Der domestizierte Steinpilz

ein 3-Akter

Deckblatt-Zitat von Novalis „Das Theater ist die tätige Reflektion des Menschen über sich selbst“

Das Sein im Jetzt, wie Menschen sich suchen und dabei den Anderen finden

Personen

Hausmeister Xung-Hai

Hausbewohner Herr Schmidt

Hausbewohner Herr Meier

Orangenverkäufer, der eigentlich alles hat

Hausbewohnerin Frau Eve (sollte singen können)

Chor bestehend aus 2 Frauen und 1 Mann, die Alltagsgegenstände verkörpern und gut singen können sollten, wirklich. Dabei tragen sie schwarze Klamotten, wobei die Frau ein kurzes schwarzes Tütü über Hosen trägt. Oder über Leggins. Vielleicht auch über Kniebundhosen oder ...

Zutaten:

Leier

Einer aus dem Chor trägt einen schwarzen

Vorspiel:

Was war zuerst da?

das Ei oder das Wort.

den Artikel lassen wir fort

das ist schonmal klar

und rücken den Sinn

in den Mittelpunkt.

doch nur wohin

mit dem Sinn

und dem Punkt

wenn man nicht weiß,

was man weiß

und das, was man zu wissen scheint

durch verschiedene Ebenen vorgekaut ist.

durchgeweichter verdorbener Verbiss.

ziemlicher Beschiss.

doch es ist, wenn es keimt

und Früchte trägt.

es lebt, umhegt

und bildet Ableger.

die wiederum den eigentlich Punkt

verblassen lassen, die Ecken werden rund

und Du stehst in der Mitte,

ein ewiger Sucher,

ein Spielball der Dritte,

ein ständiger Flucher

und presst die Nase

auf das, was ist.

ein hellgelber Hase,

der abtaucht im Mist.

die Götter strecken dir die Zunge raus

und du verlässt Dein Haus,

runter vom Sofa,

so well so far -

gesucht wird der Punkt,

an dem alles begann.

das rufen wir kund

und suchen, wer kann,

das erste Wort,

das je gesprochen wurde.

wer kann es erahnen, wer kann es spüren -

ein Beben wird die Welt durchlaufen

und denjenigen küren,

der hoch aus seinem Hort

die ersten Buchstaben wird kaufen.

dann Punkt,

dann fort.

Akt 1

Szene 1

Ort der Handlung: Plattenbau, Eingangshalle im ostigen Einfachheits-Charme

Schild am Fahrstuhl „Außer Betrieb“, im Hintergrund: ein Schachspiel in Übergröße (für den Boden), bestehend aus wenigen Figuren. 2 Türen, auf einer steht „lange Treppe“ auf der anderen „Hausmeister“.

HAUSMEISTER im typischen Hausmeisterkittel fegt einen Haufen Dreck zusammen, den er im Laufe der Zeit von A nach B und manchmal sogar bis Z schiebt.

HERR MEIER kommt rein, sieht das Schild, zögert, bemerkt den HAUSMEISTER, dem er eine zeitlang zuschaut:

Was machen Sie da eigentlich?

HAUSMEISTER:

Guten Abend.

HERR MEIER:

Sie machen einen guten Abend?

HAUSMEISTER:

Ich wees ja nich, welche Kinderstube Sie jenossen haben, aber dat sagt man bei uns.

HERR MEIER:

Guten Abend. So, was machen Sie denn da?

HAUSMEISTER lehnt den Besen an die Wand und schaut ihn an:

Nischt.

HERR MEIER will gerade aufbegehren, da kommt HERR SCHMIDT rein, der den HAUSMEISTER mit:

Hallo Herr Xung-Hai.

begrüßt und vor HERR MEIER stehen bleibt:

Sie sind?

HERR MEIER:

Guten Abend.

HERR SCHMIDT irritiert:

Sie heißen ..

FRAU EVE betritt die Eingangshalle und lächelt in die Runde, was bei HERRN SCHMIDT und MEIER zur Verlegenheit führt:

Herr Meier, Herr Schmidt, Herr Xung-Hai. Hallo.

Während sie das Wort „Hallo“ ausspricht bewegen sich „Dinge“ im Raum, die sich als Menschen entpuppen, eine Stehlampe, ein Teppich und ein Kleiderständer. Sie schauen kurz auf und sagen gleichzeitig „Hallo“, was von keinem der anderen registriert wird. Sie wiederholen es als versetzten Dreiklang und als rhythmischen Kanon, aber keiner reagiert.

BLACK

für einige Sekunden, dann einen Spot auf HERRN MEIER und FRAU EVE erzählt dazu:

Hier sehen Sie unser Auslaufmodell des braven Beamten mit emotionalen Restfunktionen, der von früh bis spät durchs Leben kreucht und einen Ausgang sucht. Allerdings verbringt er so viel Zeit auf der Arbeit, das ihm schlichtwegs die Zeit dazu fehlt, darüber nachzudenken, welchen Ausgang er eigentlich meint. Aus dem Jetzt, aus dem Morgen oder aus dem Gestern. Ein braver gehorsamer Mitläufer, der einfach zu halten ist, werfen Sie ihm hin und wieder ein paar SMS auf sein Smartphone und füttern Sie ihn mit Dauerbeschallung via TV.

HERR MEIER schaut sich ratlos suchend im Raum um.

Ein Spot auf HERRN SCHMIDT und wieder die Stimme der FRAU EVE:

Ein Wissenschaftler und Dauerbrenner unter den Modellen, worum sich Wirtschaft und Lobbyisten gleichzeitig kloppen. Neigung zur Denkerfalte, proteinhaltige Nahrung von Vorteil, Subdoku-abhängig und bitte mit Sahne. Ein Modell, ohne das unser Konsumapparat den Bach runter gehen würde. Steuerbar durch angebliche wissenschaftliche Studien unter dem Schwert der Logik.

HERR SCHMIDT schüttelt die Faust und zieht eine Denkerfalte.

Spot auf Herrn XUNG-HAI:

Über diesen Typus Mensch hab ich bis jetzt wenig herausfinden können. Die elektronischen Daten zur Auswertung liegen hier sehr spärlich vor, somit will ich neben dem Hang zu Zigarren und Online-Schach keine bloßen Vermutungen aufstellen, die vielleicht nicht tragbar sind, er scheint etwas zu suchen, nur was ...

FRAU EVE tritt in den Scheinwerfer:

Ich selbst bin ein Menschlein der Klasse Omega III, habe aber nichts mit Fisch zu tun noch stinke ich sehr tranig, wir sind auserkoren, die Menschheit in ein neues Zeitalter zu führen. Und wer an dieser Stelle einen Tusch erwartet, ist falsch gewickelt. Uns gab es schon immer und wird es auch immer geben, wir sind die Beobachter, die versuchen zu verhindern, dass sich die Menschheit zu früh in die Luft jagt. Immerhin laufen auf der Erde einige Versuche, deren Auswertung wir einige Zenitumdrehungen lang abwarten wollen. Ich tanze gerne, singe gerne und bin ein Mensch wie Du und ich, nur besser.

Der Besen des HAUSMEISTER erscheint im Licht und er wischt FRAU EVE zur Seite:

Ick wees nich - zu viele Worte verwirren nur, machs doch kurz: Meier – Streber, Schmidt – Schleimer, Du – Verdreher und ich, das unbekannte Wesen.

HERR SCHMIDT und HERR MEIER reden durcheinander, streiten sich, wer die Frau zuerst gesehen hat, werden leiser, während der CHOR mit „unbekannte Wesen“ immer lauter wird und in einem „Nimm deinen Besen“ endet.

HAUSMEISTER fegt weiter, die drei anderen gehen wieder in ihre Ausgangspositionen. Normale Beleuchtung.

CHOR:

Wie würdet ihr entscheiden, wenn ihr erfahrt, die letzten drei in eurem Haus zu sein?

SCHMIDT und MEIER blicken sich entsetzt an, rütteln nacheinander an der Aufzugstür, auf der „Außer Betrieb“ steht und verschwinden hinter der Tür mit der Aufschrift „Lange Treppe“. HAUSMEISTER fegt schneller.

FRAU EVE:

Herr Xung-Hai, entschuldigen sie, ich hätte eine Bitte – mein Wasserhahn tropft nun schon seit zwei Wochen, glauben sie, sie könnten ihn reparieren?

HAUSMEISTER:

Ist es denn das, was es zu sein scheint?

FRAU EVE:

?

HAUSMEISTER:

Manchmal verbirgt sich hinter einem tropfenden Wasserhahn die komplette Menschheitsgeschichte. Die Entwicklung vom wassergängigen Einzeller zum landtauglichen Vielzeller, der andere Atome in eine Wasserhahnform zwingt, Wasser durchleitet und ein kleines Element des Urmeers Tropfen nennt. Und manchmal, manchmal da tropft es bloß aus einem Hahn. Tropf Tropf Tropf. Lautmalerisch übrigens durchaus interessant. Vom Wortstamm, von der Herleitung, der Wortfamilie, dem …

FRAU EVE:

Herr Xung-Hai, Dankeschön – dann kann ich mich ja drauf verlassen – bis später.

FRAU EVE durch Treppen-Tür ab.

Der CHOR sagt leise das Wort „tropf-tropf-tropf“rhytmisch variierend, als Melodie und als Beatbox-Variante. Der CHOR unterhält sich:

CHOR/1

Ich gebe ihnen fünf Minuten.

CHOR/2:

10.

CHOR/3:

3-2-1.

Bei der letzten Zahl stürmen SCHMIDT und MEIER wieder in die Halle.

HERR MEIER atemlos:

Das gibt’s nicht. Gestern wohnte auf dem Flur doch noch … diese eine Familie, die immer … also es standen 2 Paar Schuhe vor der Tür. Vor der roten Tür. Und der Duft nach Kuchen und Waschmaschine … der ist weg.

HERR SCHMIDT:

Innerhalb von einem Tag ist es recht unwahrscheinlich, dass in einem 20 stöckigen Hochaus gleichzeitig alle Wohnungen frei werden, bis auf drei. Rein statistisch beträgt die Umzugsquote im Jahr 2016 17%, das bedeutet, dass 11,32 Personen ab 18 Jahren umgezogen sind. Wenn wir das auf unseren 20 Etagen hohen Klotz à drei Wohnungen pro Etage mit durchschnittlich 2 Personen pro Wohnung umsetzen, dann haben wir 120 Menschen, die hier gelebt haben, dann müssten noch 83% davon hier sein, das wären dann … also das wären … eine ganze Menge mehr, als nur wir 3 oder? Herr Xung-Hai, können sie uns bitte ins Bild setzen?

HAUSMEISTER XUNG-HAI stellt seinen Besen in die Ecke, kramt Ohrstöpsel heraus und flüstert ins Publikum:

Wenn ich diese in meine Ohren stecke, stehen meine Chancen bestimmt besser, in Ruhe gelassen zu werden oder?

Er fummelt die Hörer in seine Ohren, wobei das Ende der Ohrstöpsel sichtbar wird – es hängt kein Gerät dran, einfach nur der Stecker. Fegt weiter.

HERR SCHMIDT:

Hei Herr Xung-Hai, ich hab sie gerade was gefragt!

HERR MEIER zu SCHMIDT:

„So warten sie doch, er ist gerade beschäftigt. Außerdem kann er sie doch gar nicht hören.

XUNG-HAI grinst, holt aus dem Raum hinter der Hausmeistertür eine fahrbare große Tafel mitsamt einem Stück Kreide heraus und kritzelt etwas darauf, was die Zuschauer nicht einsehen können.

HERR SCHMIDT.

Was macht der denn jetzt?

HERR MEIER.

Was ein Hausmeister halt heute so machen muss, der kann sich seine Arbeit ja auch nicht aussuchen, der arme Kerl.

HERR SCHMIDT:

Facility manager.

HERR MEIER:

Was?

HERR SCHMIDT:

Das heißt heutzutage nicht mehr Hausmeister, hergottnochmal, aus welchem Jahrhundert sind sie denn geschlüpft, das heißt heute Facility manager.

HERR MEIER kramt in seinen Taschen und fischt einen Brief heraus mit einem großen roten Herzen darauf:

Dafür weiß ich, was Frau Eve gerne mag.

HERR SCHMIDT versucht sich den Brief zu krallen, Handgemenge bei dem HERRN SCHMIDT brutal ist und HERR MEIER kneift/hinterfotzig, der den Brief am Ende behält.

Die Haustür geht auf und ein orange gekleideter Mann kommt herein, der einen Bauchladen trägt mit diversen Artikeln. Sieht aus wie ein Müllmann mit einer Abfallsammlung in der Bauchlade. In der Eingangstür stellt er einen großen Koffer ab:

Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

HERR SCHMIDT:

Und sie, guten Abend, wer zum Kuckuck sind sie jetzt? Ein neuer Mieter?

ORANGENVERKÄUFER:

Ich bin der städische Orangenverkäufer. Guten Abend, wie nett. Aber hier einziehen? Never!

HERR MEIER aufgeregt:

Never? Aber warum denn nicht? Fließend warmes Wasser, Kühlschrank, Badewanne, TV, das ist doch gar nicht so schlecht.

HERR SCHMIDT:

Life Stream Service, Heizdecken, freies W-Lan und sonntags Brötchen!

HERR MEIER:

Freies W-Lan? Echt? Ich hab das nich.

HERR SCHMIDT:

Ha! Da werden sie es sich wohl verbockt haben, der werte Herr Meier.

HERR MEIER:

Verbockt? Was soll das denn jetzt? Das ist doch hoffentlich keine Anspielung auf meine Internetnutzung. Ich … ich surfe nur legal. Also, wenn sie etwas anderes behaupten, dass ich auf diesen anderen Seiten, auf diesen Dating oder diesen Nacktseiten rumsuche, dann …

ORANGENVERKÄUFER:

Na? Streiten können sie ja noch gleich. Darf ich sie mit etwas beglücken?

HERR SCHMIDT:

Beglücken? Das hört sich jetzt ja etwas schräg an.

HERR MEIER:

Sie wieder, das ist einfach nett gemeint. Ich ja – bitte eine Orange.

ORANGENVERKÄUFER:

Die sind heute aus.

BLACK

für einige Minuten, in denen man das Tropfgeräusch des CHORS hört.

MEIER spielt mit dem ORANGENVERKÄUFER Schach, SCHMIDT versucht mit seinem Handy Empfang zu bekommen. HAUSMEISTER dreht die Tafel um, auf der Zahlen und Zeichen stehen, u.a. das Wort Tropfen, Wasser, Hopfen, ropfen, pofen und das Wort Wasser in verschiedenen Sprachen: eau, vann, water, ...

HAUSMEISTER:

Heureka! Es ist vollbracht.

SCHMMIDT schaut auf, Rest in Spiel vertieft:

Was? Eine Formel fürs richtige Heim-Destillieren? Schnaps aus Besenfasern?

FRAU EVE kommt aus dem Aufzug heraus, hat eine große Handtasche umhängen:

Tatsächlich. Wie ausgelöscht, keiner, außer uns wohnt in diesem Haus. Ich bekam keine Informationen darüber, keine Einladung zur Mitgliederversammlung, keinen Newsletter, keinen Facebook-Eintrag oder Twitter-News der Hausverwaltung. Pinterest und meine WhatsApp-Gruppe schweigen ebenfalls. Ah, Herr Xung-Hai, wie ich sehe machen sie Fortschritte.

HAUSMEISTER XUNG-HAI wischt ein paar Buchstaben weg und malt ein Smiley hin.

SCHMIDT flirtet mit FRAU EVE:

Hallo, schön sie mal wieder zu sehen, ich wollte schon längst … also ich hab mich gefragt, ob Sie, also Du und ich und wir … Essen gehen wollen?

XUNG-HAI zeigt mit seinem Besen auf die Tafel und erklärt FRAU EVE sein Schema:

... der Tropfen wird auf sich selbst zurückgeschmissen, besinnt sich quasi auf sein kleinstes Element, wird zum „ropfen“, wir bilden durch Buchstabenvermischelung das Wort „pofen“ und merken, das sich alles um das „o“ dreht, was wir lautsprachlich auch im französischen Wort für Wasser finden: in „eau“. Im norwegischen stoßen wir hierbei auf „vann“ für Wasser, was somit die Aussage ergibt: O! Vann pofen?

SCHMIDT bekommt einen Lachanfall, stockt, als er den ernsten Blick von FRAU EVE sieht. Allerdings sind MEIER und ORANGENVERKÄUFER vom Gelächter angelockt dazugetreten und schauen interessiert auf die Tafel.

SCHMIDT:

Das ist doch nicht euer Ernst?

FRAU EVE zum HAUSMEISTER:

Interessant! Durchaus interessant, was die Forschung an der zweiten Wahrheit herausbringt.

MEIER:

Sprachwissenschaft?

HAUSMEISTER beleidigt:

Atomphilosophie.

ORANGENVERKÄUFER:

Ah, das hab ich beim Jauch gehört, das ist doch was mit Raketenantrieb?

HAUSMEISTER:

Nein, das ist schwer zu erklären, ein recht komplexer Vorgang, vereinfacht gesagt, suchen wir das erste Wort, was je gesprochen wurde und gehen dabei systematisch den Dingen auf den Grund, indem wir den Wahrheitsgehalt des Einzelnen, der abermillionen von Seins-Formen auf einen Laut herunterbrechen.

SCHMIDT lacht wieder, stockt aufgrund der befremdlichen Blicke:

Das ist nicht euer Ernst oder?

FRAU EVE:

Nur weil ihr Geist, verehrter Herr Schmidt, etwas zu klein geraten ist, muss es für andere doch nicht gleich ernst-befreit sein oder?

SCHMIDT sieht seine Felle wegschwimmen:

Verehrte Frau Nachbarin, wie könnte ich ihnen widersprechen? Ihr Charme eilt ihnen voraus … also umschmeichelt sie, so dass ich … ich würde das gerne abends bei einem Gläslein Wein …

MEIER:

Frau Eve, ich wußte gar nicht, dass sie sich für Atomphilosophie interessieren? Ich hatte da mal einen Fall, bei dem in mein bescheidenes Büro ein nicht mehr amtierender Atomphilosoph …

Der ORANGENVERKÄUFER sucht in seinem Bauchladen:

Ich hätte da noch was … etwas, eine Kleinigkeit, also sehr kleine Kleinigkeit, ein einzelnes Atom, jemand Interesse?

Alle schütteln die Köpfe bis auf FRAU EVE:

Kann man das auch als Kettenanhänger tragen?

MEIER, nach einem Blick auf den nickenden ORANGENVERKÄUFER.

Ich lasse das gerne für sie machen, als kleines Dankeschön für ...

SCHMIDT:

Atom-Kettenanhänger? Was ist das für ein Bullshit, was kommt als nächstes, ein Enzym-Schorle, ein rotes Blutkörperchen-Milchshake oder ein Gehirnzellen-Kettenbrief? Liebste Frau Eve, wenn sie einen Kettenanhänger wollen, dann kann ich ihnen …

HAUSMEISTER:

Durch die Berührung mit uns verwandelt sich das betrachtende Objekt zu einem Ding und bekommt Kontur, es ist nun keine bloße Idee mehr, sondern es ist. Von uns in die nackte Realität gezerrt. Von uns einen Stempel der Erkenntnis abbekommen.

FRAU EVE:

Das hört sich jetzt aber nach Bibel an, die ich selbstverständlich ebenfalls studiert habe. Liegt in ihr doch ein Zugang zum Selbstverständnis der Menschen gegenüber Verdrängung. Und das ist nur ein Beispiel, wenn man die Geschichte studiert, töten Menschen im Namen Gottes, fühlen dabei aber keine Schuld und keinen Widerspruch zum Gebot „Du sollst nicht töten“ und die Kreuzritter sind der Erkenntnis doch ...

HAUSMEISTER:

Erkenntnis hat nicht immer gleich was mit Schlange und Paradies zu tun. Doch wenn man das herunterbricht, auf das Ursprüngliche, dann besteht durchaus eine Konnektion zwischen Schlange und Paradies, das „a“ zieht sich geschlängelt zum „dies“ und verheißt einen blühenden „Aa“st und wenn man ...

HAUSMEISTER wird immer leiser, schnappt sich den Besen und fegt weiter, dabei murmelt er Worte wie „para“ „lang“ „scheng“ „radies“ vor sich hin.

MEIER:

Aber manche Dinge sind schon eine Sünde wert oder?

ORANGENVERKÄUFER kramt wieder in seinen Sachen:

Sünde? Hab ich, eine Auswahl der Top Ten gefällig?
Die ANDEREN schütteln ihre Köpfe, nur FRAU EVE ist interessiert.

Kaufe eine und erhalte die zweite zum Preis von der ersten, okay? Also – aufgepasst … ihr wisst doch was Sünden sind oder?

ALLE nicken, nur FRAU EVE schüttelt den Kopf. Der CHOR nimmt Habachtstellung ein:

Aufgepasst, passt auf – eine Sünde kommt nie allein,

das wäre zu fein,

sie ruht auf den Schultern

von Todsündelein,

die sogenannten himmelschreienden Sieben!

Aufgeschrieben von seriös wirkenden Bartträgern

die weder Hipster noch Liebster sind, sondern einfach nur einen Besen in ihren verknocherten Ärschen stecken hatten.

Als erstes kratzt Superbia an deiner Eitelkeit,

stellt den Fall hinter den Hochmut -

was ist denn das für ein Hut, steht dir gut?

Bist du dir sicher, dass mein Spiegel an der Wand

dir nur den kleinen Finger reicht von seiner glänzenden Hand,

nur einer kann perfekt sein und dieser Raum ist wahrlich zu klein.

Als zweites schwebt Avaritia um die Ecke,

blass, bleich, welk und geifernd hinter der Hecke,

die hoch hängt von Wünschen,

der Geiz verkneift sich, frisst von Innen auf,

haut immer noch einen drauf.

Als drittes maunzt Luxuria,

dehnt sich, streckt sich, hat Lust,

Durst,

auf dein Wollen,

ohne Sollen,

nur Sein -

Als viertes haut Ira auf den Tisch,

her mit dem Fisch,

egal was es kostet,

jetzt, sofort, meins, nicht deins, hau ab,

geh fort, ich werde mich rächen

dich einfach niederstechen,

ich bin Unbeugsam.

Als fünftes bequemt sich Gula dazu,

ein Berg aus Fett, nicht nett

nur immer hungrig, stinkig, zwingt sich

noch mehr in den Schlund,

ohne Grund,

einfach nur Stopfen, die Völlerei.

Als sechstes kneift Invidia die Augen zusammen,

was, was du hast?

Hast du da was?

Nein, du hast da … oder?

Warum du und nicht ich,

schreit ganz breit

Missgunst und Neid.

Als siebtes und letztes gähnt Acedia

und tränt eine Blase von

Leere und klappt die Augen zu.

Klappe zu,

Trägheit erklang,

der Rest ein Meer.

Aufgepasst – passt auf, sucht mit …

ORANGENVERKÄUFER unterbricht:

Jaja, besten Dank und jetzt Schluß mit dem Gelaber, wer will einen sündigen Genuss? Na? Von welcher Scheibe solls ein Krümelein sein, oder zwei oder … diese scheiß Reimerei bringt mich noch ins Grab, also werte Dame, zögern sie nicht zu lange, noch sind alle mönchische Träume warm!

SCHMIDT will Aufmerksamkeit von FRAU EVE:

Ach Frau Eve, das ist doch alles eine bloße Werbeveranstaltung der Kirche, der Orangenverkäufer scheint ein verkappter Pfarrer zu sein, vielleicht zahlt die Kirche ja mittlerweile zu schlecht, aber seis drum. Es gibt doch viel Wichtigers, was ist jetzt mit unserem Haus. Mit all den Nachbarn? Also wo sind all die Indianer hin?

CHOR summt die Melodie des Liedes von PUR.

MEIER:

Sie können wohl nicht mal für wenige Momente alleine sein oder?

SCHMIDT:

Hä? Und sie sind wohl mit dem Klammerbeutel gepudert? Vorhin fanden sie das auch noch erschreckend und rannten hier runter, wie vom Teufel gehetzt. Angst hatten sie, das ist es. Und jetzt? Ein Indianer sind sie wahrlich keiner.

CHOR summt erneut die Melodie.

FRAU EVE:

Entschuldigen sie, wenn ich mich einmische, aber das ist einer meiner Lieblingspunkte bei euch Menschen der einfachen Art: das gesuchte Wort heißt …

ORANGENVERKÄUFER:

Verdrängung! Hab ich bei Jauch gesehen.

FRAU EVE schaut den ORANGENVERKÄUFER an wie ein seltenes Insekt:

Interessant. Wie reagieren sie denn darauf? Auf Verdrängung?

ORANGENVERKÄUFER:

Ich? Ich habe nicht behauptet, dass ich das tue oder habe oder was auch immer, ich bin bloß ein …

CHOR:

Armer Orangenverkäufer.

SCHMIDT, eifersüchtig:

Was ist an dem schon interessant, wollen sie was interessantes hören? Ähm … wenn man das Wort, also die Buchstaben von Orange umdreht kommt Organe raus! Haha, das ist witzig, ein Organverkäufer.

HAUSMEISTER hört mit dem Fegen auf und lauscht interessiert.

MEIER:

Ich wusste gar nicht, dass Atomphilosophie ansteckend ist.

ORANGENVERKÄUFER:

Ich finde das nicht witzig. Herr Schmidt, ich mache mich ja auch nicht über ihren Namen lustig, Schmidts Katze … so à la: das geht ab wie Schmidts Katze oder Schmidts Katze wie Schrödingers Katze, ein miauendes Paradoxon mit Mundgeruch, ich ...

MEIER:

Uiui, jetzt bin ich aber beeindruckt, was sie alles wissen, kein Wunder, dass sie mich im Schach geschlagen haben.

ORANGENVERKÄUFER schaut auf sein Handy:

Noch eine Stunde. Jemand Hunger?

MEIER:

Eine Stunde? Und dann? Feierabend? Wo wohnen sie eigentlich? Haben sie Familie? Hier stehen ein paar familienfreundliche Wohnungen leer und wenn sie wollen … der Hausmeister hat bestimmt ein paar Schlüssel zur Besichtigung.

SCHMIDT:

Herr Meier, würden sie hier freiwillig einziehen? Bei den Nachbarn? Haha.

ruft zum HAUSMEISTER

Hei Xung-Hai, ich würde mir gerne die anderen Wohnungen mal anschauen, vielleicht zieh ich um, sagt man nicht, dass ein Umzug die Perspektive verändert? Es ist wohl normal, dass man in seinem Leben durchschnittlich 3,4 Umzüge hinter sich bringt, dann hab ich das gleich abgehakt.

MEIER tippt sich an die Stirn:

Und sie zweifeln an meiner Intelligenz, wie putzig. Als ob man zur Statistikerfüllung geboren wurde. Das ist ja fast Hörigkeit, was sie da von sich geben. Jawohl – Hörigkeit.

FRAU EVE zückt einen Notizblock und schreibt eifrig mit.

ORANGENVERKÄUFER hat den großen Koffer von der Eingangstüre geholt, geöffnet (nicht einsehbar fürs Publikum) und holt diverse Dinge für ein Picknick heraus: Picknickdecke, 5 Teller, Besteck, 5 Gläser, 1 Campingleuchte, Korkenzieher, mehrere Schüssel. Er betrachtet jeden Gegenstand einzeln und drappiert sie liebevoll auf die Decke, als ob er ein Stillleben arrangieren will. Der HAUSMEISTER setzt sich als erster dazu:

Was gibt’s zu Essen?

ORANGENVERKÄUFER:

Das müssen sie besorgen, ich verkaufe nur.

SCHMIDT macht „pa“ und rennt durch die Treppen-Tür, HAUSMEISTER verschwindet hinter der Tür „Hausmeister“, MEIER kramt nach Geld und FRAU EVE fischt aus ihrer Handtasche cirka 10 Äpfel.

MEIER:

Ich hätte gerne … ein perfektes Mahl für Verliebte.

ORANGENVERKÄUFER:

Tut mir Leid, aber das können sie sich nicht leisten.

MEIER verschnupft:

Nicht leisten? Was sind sie denn für ein Verkäufer? Sie wissen doch nicht, was ich verdiene oder kostet das ein hahnebücherndes Gehalt?

ORANGENVERKÄUFER:

Nein, aber ich handle nicht mit Seelen, ich ...

HAUSMEISTER kam aus seiner Tür mit einem Arm voll Bierflaschen und ergänzt:

... wenn man den Körper von der Seele trennt, den Geist auffängt, alles reinigt und danach wieder zusammensetzt, dann hat man es geschafft – eine reine Purheit, gelöste einzigartige Kristalle in einer Unverfälschtheit, die mich ins Schwärmen bringen kann!

FRAU EVE setzt sich und schneidet mit einem Messer die Äpfel in Stücke, davon werden die ANDEREN ein Stück mit Dankeschön nehmen, auch der CHOR, danach wird der Teller ins Publikum gegeben, die die Äpfelchen essen dürfen.

FRAU EVE:

Mit was kann man denn einzelne Teile wieder verbinden?

HAUSMEISTER sucht nach einem Flaschenöffner:

Mit Alkohol, mit was sonst! Hi Orangenverkäufer, hast du wenigstens ein Feuerzeug?

ORANGENVERKÄUFER nickt, gibt ihm eins, damit öffnet der HAUSMEISTER die Flaschen und verteilt sie, nur der ORANGENVERKÄUFER konsumiert nichts, er bietet immer nur an. MEIER hat währenddessen bei ihm Schokolade gekauft und bekommt für 1 Euro eine Tafel, die so groß ist, wie der ganze Koffer, er beißt an einem Ende rein, verzieht sein Gesicht mit „süß“, knabbert daran eine ganze Weile brav, dann wird er die Tafel von der anderen Seite öffnen, in kleine Stücke zerbrechen, bei den anderen auf der Bühne verteilen und am Ende ins Publikum reichen (ein paar Reihen entlang laufen, also weiter hinten einsetzen, wäre ja ansonsten unfair, gelle).

SCHMIDT taucht wieder auf, bringt einen riesigen Topf herunter.

FRAU EVE:

Mhm, das duftet, haben sie uns eine Suppe gekocht? Das ist aber sehr aufmerksam von ihnen, das hätte ich gar nicht erwartet, dass ...

SCHMIDT räuspert sich:

Ähm nein, ich hab uns Popcorn gemacht. Das ist das Einzige, was ich an Warmspeisen kann, aber ich wollte schon immer einen Kochkurs besuchen, nur nicht alleine, also ich wüßte nicht, für wen ich dann … Frau Eve, vielleicht ...

MEIER schnappt sich den Topf und schüttet das Popcorn in die verbleibenden Schüssel, stopft sich eine Hand voll in den Mund und beschmeißt SCHMIDT, der wird ärgerlich, schmeißt zurück, trifft die anderen, die fröhlich mitschmeißen, mitsamt CHOR, der fröhlich die einzelnen Todsünden aufzählt, auch das Publikum darf beschmissen werden, nur der ORANGENVERKÄUFER sitzt noch am Boden, er fördert aus seinem Koffer einen großen Beutel heraus, den Herr MEIER abkauft, öffnet und Wasserbomben herausholt und damit versucht SCHMIDT zu treffen. SCHMIDT wirft dem ORANGENVERKÄUFER eine Münze hin und erhält eine Wasserspritzpistole, die mit Wasser geladen ist. Der ORANGENVERKÄUFER macht nicht mit, sonder strahlt wie ein Baby und klatscht in die Hände. Wenn sich alles wieder beruhigt hat, sagt ORANGENVERKÄUFER zu MEIER:

Und sie fragen mich, warum ich hier nicht einziehen würde? So – aber wieder zum Geschäft, noch Wünsche?

FRAU EVE schüttelt den Kopf, lacht:

Nein Danke, das hat Spaß gemacht, ich hab gelacht, das macht glücklich, eine schöne Eigenschaft und dazu noch kostenlos.

Der ORANGENVERKÄUFER kratzt sich am Kopf und kramt in seinem Bauchladen.

SCHMIDT reicht FRAU EVE eine Flasche Bier.

Wissen .. weißt du, dass Kinder in der Regel 400 mal am Tag lachen, Erwachsene nur 15 mal?Vielleicht schütten die Kinder die Endorphine leichter aus, ich weiß es nicht, oder ihre Lach-Schwelle ist noch viel niedriger oder es gibt kindliche Rezeptoren, die wir beim Altern verlieren oder …

MEIER:

Und Tote lachen gar nicht. Mensch du … Vielleicht haben Kinder einfach mehr Spaß, weil sie Freude daran haben Spaß zu haben, mhm?

Der HAUSMEISTER fegt fleißig und sagt:

Guter Einwand – was war zuerst da – das Huhn oder das Ei? Der Spaß oder das Lachen? Die Freude oder die Tat? Singen, tanzen, spielen, Rhythmus, Bewegung, Klang, worauf läuft das raus? Dynamik – das ist es, was die Kinder antreibt und was Erwachsenen fehlt – eine ungesteurte Dynamik, die alleine dem Zwecke dient, Energien in Freude umzusetzen.

Meier schaut nachdenklich:

Ich glaub, das hab ich verstanden, wir bewegen uns zu wenig, aber warum?

FRAU EVE meldet sich, wie in der Schule:

Das stimmt, das hab ich beobachtet, das ist in allen Schichten das gleiche, ihr habt einfach zu wenig …

CHOR springt auf, die drei klopfen ihre Klamotten ab und stimmen nacheinander an, ähnlich wie in Freddies Mercurys Rhapsody:

Is this real life – is this just fantasy?

Zeit- Zeit – Zeit – Mama – bring mich nach Hause,

ob da ein Hut liegt oder nicht,

fang mich in deinen warmen Armen auf.

Zeit – Zeit - Zeit

und halte das Jetzt an.

Will not let you go -

FRAU EVE springt in die Mitte des CHORs, zieht ein Mikrofon aus der Handtasche und fängt an zu singen, wobei einzelne Stellen vom CHOR begleitet, unterstützt oder einige Worte auch vom CHOR ergänzt werden, ähnlich wie in der Muppetshow:

Früher war es notwendig,

den ganzen Tag zu schuften,

sonst blieb der Teller,

die Taschen,

der Keller,

einfach

leer.

Doch heute könnten viele,

sich am Feierabend

laben,

sich

fallenlassen,

Zeit verprassen

Lachen, lieben, leben,

aber was machen sie -

die vielen großen Menschen?

Sie kleben

am Smartphone,

beben

vor der Glotze

ein Leben

in Passivität

und sterben

tausend Tode

jeden Moment,

den sie verpassen

zu lachen, zu leben und zu lieben.

Zeitdieben

erlegen,

verpasst das eigene Sein

im Schein von Konsum.

We will, we will rock you -

ein Schelm der Böses dabei denkt,

let me go!

FRAU EVE stockt, sieht sich den Orangenverkäufer nachdenklich an, singt weiter:

Dafür muss ich nicht studieren,

um zu sehen,

wir ihr Eure Ärsche platt sitzt

und nur darauf wartet,

nach Feierabend zu sterben.

Tausend kleine Tode,

bis die Schwärze Euch verschlungen hat

und dann, was kommt dann?

Ein Bengel, der von Paradies

herschwätzt,

das könnt ihr erst nach dem Tod herausfinden,

und dann ist es vielleicht zu spät.

Was geht

jetzt?

Sofort -

nicht an einem anderen Ort,

sondern hier,

gebt mir

einen Grund

um zu lieben, zu leben und zu lachen.

Alles ist möglich,

alles zu machen,

ihr könnt es schaffen

und das erreichen

was erstrebenswert ist -

ohne Kosten,

ohne Dinge,

schlicht:

Freude am Sein!

Lachen, rock das Leben -

Was magst du gerne?

Rosa, blau, Berge, Weiten ...

Der Hausmeister fegt den Schmutz zwischen den Singenden weg und löst den Gesang dadurch auf, schimpft:

Das ist reine Spekulation, nicht jedes Individuum erfreut sich an Spaß, nicht jeder will lachen oder wilde Sachen machen oder so ähnlich. Der Geist ist das, was den Menschen auszeichnet. Das Denken und Kontrollieren.

MEIER:

Ich fand das sehr schön, was Frau Eve uns da …

SCHMIDT:

Eine wahrhaft wagner-würdige Leistung, liebe Frau Eve, vielleicht kann ich ihn … kann ich dir bei der Suche nach Spaß …

ORANGENVERKÄUFER motzt auch:

Ohne Kosten, ohne Dinge? Was für ein Humbug, da kennen sie uns Menschen aber schlecht. Was sind sie überhaupt? Kann ich ihnen vielleicht etwas schenken, quasi ein Werbegeschenk?

FRAU EVE zuckt mit den Schultern, nähert sich dem Bauchladen:

Schau einem geschenkten Gaul niemals ins Maul – warum heißt es denn so?

SCHMIDT:

Das ist ein altes lateinisches Zitat, hatte schon Hiernonymus zwischen 347-419 nach Christi benutzt, um zu erklären, dass man Geschenke nicht chekt. Früher wurde der Zustand eines Pferdes anhand seines Gebisses kontrolliert, aber wenn du dieses Pferd geschenkt bekommst, dann wäre es arg unhöflich, die Beißerchen anzuguggen.

MEIER:

Liebe Frau Eve, ich mag gerne Tiere, Blumen … zumindest die blauen Blumen, wie Mohn oder …

SCHMIDT:

Mohnblumen sind rot sie Pappnase und wie kann ein Mann sagen, dass er gerne Blumen mag? Weichei! Da können sie ja gleich sagen, dass sie noch mit Puppen spielen oder Torten backen.

MEIER verärgert:

Ich backe gerne, jawohl. Und dafür muss ich mich auch nicht schämen, meine Mutter hat mich in die Kunst des Backens eingeführt, jawohl. Meine Kindheit bestand aus Duft, aus Vanille und Zimt und Äpfeln.

SCHMIDT:

Hören sie auf, sonst fange ich gleich an zu weinen. Das passt zu ihnen, ihre Mutter Hausfrau, die den ganzen lieben langen Tag nichts anderes gemacht hat, als ihren Popo abzuputzen, den Allerwertesten hat sie ihnen hinterhergetragen und darauf ein Klecks Sahne.

MEIER geht zum Popcornmüllhaufen des HAUSMEISTERs und klatscht SCHMIDT zwei Hände voll Dreck auf den Kopf:

Meine Mutter war Patissière, sie hat sich aufgerieben, um mich und meine drei Geschwister zu ernähren. Sie ist gestorben, als ich 9 war, an Herzinfarkt, weil sie noch zwei Nebenjobs hatte. Wehe, sie ziehen meine Mutter …

FRAU EVE lächelt, wendet sich ans Publikum, während MEIER und SCHMIDT eine erneute Popcornschlacht vom Zaun brechen.

Das war gelogen, mit den 9 Jahren, auch das mit der Patisserie, aber in der Rückblende tut eine andere Wahrheit oft weniger weh, als die reale Wahrheit, das nennt man …

ORANGENVERKÄUFER, der sich ans Publikum wendet:

Verdrängung, das hab ich bei Jauch gesehen. Möchte jemand Wackelpudding? Mit viel Zucker, E-Stoffe und garantiert frei von natürlichen Geschmacksstoffen? So wie es Euch gefällt -

CHOR:

Manchmal tut die Wahrheit noch tausendmal mehr weh, oh weh, verweht wie der Schnee, die Wahrheit so schwer …

FRAU EVE:

Über die Entstehung von Aggression wurde schon viel geforscht, ob Konrad Lorenz oder Sigmund Freud, selbst Tiere wie Fische verteidigen ihr Revier, wo es zu tödlichen Kämpfen kommt, wenn keiner von beiden ausweichen kann, sehr interessant sind auch …


HAUSMEISTER holt sich eine weitere Flasche Bier:

Aggression entbehrt jeder Wahrheit, wenn man es herunterbricht, bleibt am Ende nur das Gesetz des Stärkeren stehen, ein „Ä“, wie in „Bäm“ oder …

MEIER ruft:

Entschuldigen Sie bitte Herr Xung-Hai, aber manchmal reden sie einen großen Stuss. „Bäm“ wie in „ä“ im Gesetz des Stärkeren?

HAUSMEISTER:

Nur weil sie keine Ahnung von Atomphilosophie haben, da müssen sie nicht gleich ausfällig werden.

SCHMIDT hat MEIER im Schwitzkasten und reibt ihm Popcorn ins Haar:

Ausfällig? Da lach ich aber, das ist ja noch nichts. Warten sie mal …

Der CHOR baut sich hinter Schmidt auf und unterstüzt die einzelnen Phrasen Schmidts auf ihre Chor-weise.

Verdammte Axt sie Hinterwäldler, haben sie ihre Finger heute schonmal aus dem kleinen verklemmten Po gezogen? Na, wie war das und das ist erst ein Anfang, nicht, dass ich Meier leiden könnte, aber im Fluchen ist er Anfänger. Nur Wissenschaftler können richtig fluchen, vor allem die, die ein paar Gliedmaße weniger haben nach ihren Studien. Wie wärs mit: Scheißblöde Bettpommeranze, die … ach entschuldigen … entschuldige bitte Frau Eve, aber das dient der Wissenschaft, auf die eine oder andere Weise, zumindest um eine Lanze dafür zu brechen, denn edelmütig sind wir...

MEIER war es gelungen, SCHMIDT den Arm auf den Rücken zu drehen und tunkt dessen Kopf in den Wackelpudding. Fängt beim Anblick von SCHMIDT an zu lachen, in das dieser mit einfällt und beide lassen voneinander ab, schütteln sich die Hände und setzen sich hin, um mit zwei Löffeln den Wackelpudding zu essen. Der CHOR kommt dazu, teilt sich einen Löffel beim Mitspachteln.

FRAU EVE schreibt kopschüttelnd in ihr Notizbuch, der HAUSMEISTER wischt seine Tafel und schreibt erneut drauf und der ORANGENVERKÄUFER zählt das Geld in einer Geldkassette.

SCHMIDT:

Was ist jetzt mit den fehlenden Nachbarn?

ORANGENVERKÄUFER:

Haben sie das nicht gehört? Sie sind mir ja weltfremd, das Gebäude soll morgen gesprengt werden, einer Umgehungsstraße Platz machen. Das stand hier lange an der Tafel am Eingang.

ALLE schauen den HAUSMEISTER an, der nur mit den Schultern zuckt:

Da war mal ein Geschmiere, aber das Runterbrechen der Worte ergab keinen Sinn, ein „e“ für Sprengung und Explosion, das hat aber keine Spiegelneuronen im Stammhirn angesprochen, sondern konnte nur alleine im Meer aufgefangen werden, das hab ich schnell weggewischt. Das tat ja weh in seiner Unfertigkeit.

CHOR:

E- E- E, das tut ja weh.

FRAU EVE tippt mit ihrem Stift auf den Notizblock:

Umgehungsstraße für was?

HAUSMEISTER:

Für die Wahrheit, was sonst ...

CHOR:

E- E- E, das tut ja weh.

Krachen, als ob ein Brett zusammenbricht verbunden mit einem Sauggeräusch, wie bei einem riesigen Strudel.

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