...über was sollte man sich den werten Kopf zerbrechen, was wurde noch nie gesagt, was noch nie gedacht, was ist wichtig, für wen und was will ich überhaupt? Man sagt, dass mit Romeo und Julia die Liebesgeschichte bereits geschrieben wurde und danach keine mehr kommen kann, genauso hat Herr der Ringe, Harry Potter, ein Goethe, Schiller, Kafka, Hesse und wie sie da alle heißen Maßstäbe gesetzt, die man nicht einmal in die Nähe des eigenen Rechners kommen lassen will.. aber muss man das auch? Ist die Welt ein sich ständiges Messen und höher, schneller, wer kann am besten im Strahl urinieren? Sorry, aber manchmal berstet das Derbe hinaus, um dem Schönen eine Nische zu schenken und so ist das auch mit dem Schreiben - es fließt - und will gelesen werden. So sei es.

Überraschung ist eines meiner Lieblingswörter, die mit “über” anfangen. Überhauptnicht mag ich da weniger und wenn es übrigens überallhin übertüncht wird, dann überlege ich es mir nocheinmal mit der Überfahrt nach Stockholm  – ähm.. zu spät!

In meiner Tasse Tee schwimmt bereits eine Fliege und zwar eine schwedische. Ob sie wohl in ihrem verflossenen Leben einen Elch getroffen hatte oder eine ihrer Vorfahren auf der Nase von Astrid Lindgren spazieren ging? Nicht, dass Astrid Lindgren eine besonders große Nase hätte oder Fliegen besonders gerne auf Nasen spazieren gingen, aber ich mag Astrid Lindgren. Aktuell verschlinge ich gerade ihre Biografien und Briefwechsel und träume mich ein paar Jahrzehnte zurück, aufs Land, in ein kleines rotes feines Bauernhaus, mit einem Apfelbaum vor der Türe und Kinderlärm vom Hof. Mit Träumen fing auch das Schreiben bei mir an. Nicht, wie manche behaupten, als Leuchtturmwärter an der Nordsee oder als Atomforscher in einer dunklen Stube, nein, es fing damit an, dass ich als Kind das Tauchen liebte. Abtauchen in ferne Welten, andere Köpfe, neue Strukturen – bei uns kam immer ein Lesebus aufs Dorf und ich frass mich durch. Durch alle Buchreihen und nervte die liebenswerte Damen mit Fragen nach mehr Stoff. Eine Sucht war geboren, deren Durst bis heute anhält.

Über Figuren schreiben, die mir den Stift aus der Hand nehmen und selbst ihr Leben niederschreiben ist ein großes Glück – und hatte ich schon erzählt, dass mein erstes Spiel wegen einer leeren Klopapierrolle zustande kam? Nein? Dann muss ich das wohl mal aufschreiben…